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Die Gestose ist eine Erkrankung, die nur in der Schwangerschaft auftritt. Sie gibt Ärzten und Wissenschaftlern nach über hundert Jahren der Forschung noch immer Rätsel auf.

 

Gebildet aus "gestatio" = Schwangerschaft, steht der Begriff Gestose für eine schwangerschaftsbedingte Erkrankung der werdenden Mutter.

 

Nachdem man über viele Jahrzehnte hinweg annahm, dass ein spezielles, vom Körper produziertes "Gift" der Auslöser sei (daher der Begriff "Schwangerschaftsvergiftung"), weiss man es heute (etwas) besser. Dennoch sind die Meinungen unter Experten zur Gestose nach wie vor geteilt.

 

Während die einen an der bis heute gängige Bezeichnung "EPH-Gestose" festhalten…

Sie orientiert sich an den drei Symptomen:

  1. Ödeme (Edema)
  2. Eiweissausscheidung im Urin (Proteinurie)
  3. Bluthochdruck (Hypertonie)

 

… wird diese Bezeichnung von anderen Forschern und Ärzten inzwischen durch die neuen Begriffe "hypertensive Erkrankung in der Schwangerschaft" (HES) oder "schwangerschaftsinduzierte Hypertonie" (SIH) ersetzt. Der Grund dafür ist die Orientierung an dem Anstieg des diastolischen Blutdrucks auf Werte über 9O mmHg.

 

Der "diastolische" Druck ist der Strömungsdruck des Blutes zum Herzen zurück. Der "systolische" Druck ist der Austreibungsdruck des Blutes vom Herzen weg. Der kritische Wert des "systolischen" Drucks, hinsichtlich einer Gestosegefahr, liegt bei 14O mmHg.

 

Erkenntnisse deuten darauf hin, dass die die EPH-Symptome zeigende Gestoseform auf eine Fehl- oder Mangelernährung der Mutter zurückzuführen ist. Vertreter dieser Meinung verwenden anstelle des Begriffes "EPH-Gestose" zunehmend den Begriff "Stoffwechselstörung in der Spätschwangerschaft".

 

Andere Vermutungen hinsichtlich der Ursache der Gestose besagen, dass es zu keiner ausreichenden Anpassung des mütterlichen Organismus zu den schwangerschaftsbedingten Veränderungen der Gebärmutter gekommen sein könnte.

 

Wobei z.B. die Blutflüssigkeit nicht in dem Masse zugenommen hat, wie es zur Aufrechterhaltung eines geregelten Kreislaufs in einem erweiterten Gefässsystem erforderlich ist. In diesem Fall würde der Körper mit einer Engerstellung des Systems reagieren, um die fehlende Blutmenge durch Verringerung des Raums innerhalb der Gefässe auszugleichen.

 

Die Symptome neben dem Bluthochdruck

Eine allgemeine Verengung/Verkrampfung des Blutgefässsystems kann aufgrund der mangelnden Durchblutung zu einer anhaltenden Unterversorgung mit Sauerstoff führen, die wiederum Ursache für Funktions- und Gewebeschäden der Organe sein kann.

So kann es zu der gesteigerten Durchlässigkeit der Nierenkapillaren kommen, die sich mit einer vermehrten Eiweissausschüttung im Urin bemerkbar macht (der Teststreifen zeigt mehr als 1 g Eiweiss pro Liter), während die Zurückhaltung von Natriumsalzen und Wasser zu Ödemen führt.

 

HELLP-Syndrom

Das sogenannte HELLP-Syndrom bezeichnet eine der beiden gefährlichsten Komplikationen der Gestose (HELLP und Eklampsie). Hierbei kommt es zu einem Nachlassen der Leberfunktion, die sich durch Schmerzen im Oberbauch, Übelkeit, Erbrechen und evtl. Durchfall bemerkbar macht.

 

Diese Form der Gestose ist besonders tückisch, weil sie sich binnen weniger Stunden voll ausprägen kann - aber nicht muss.

 

Ein schneller Blutdruckanstieg kann dem vorausgehen. Für eine klare Diagnostik müssen die Laborwerte überprüft werden, weil nur sie einen klaren Aufschluss über das Vorliegen der Erkrankung geben können.

  • H = Hämolysis (Blutzerfall)
  • EL = elevated liver enzymes (erhöhte Leberwerte der SGOT und SGPT)
  • LP = low platelet count (niedrige Thrombozytenzahlen = nachlassende Blutgerinnung, Werte unter 100.000)

 

Präeklampsie

Kommt es neben einem Bluthochdruck zu einer vermehrten Eiweissausschüttung, spricht der Arzt von einer Präeklampsie.

 

Eklampsie

Die Eklampsie ist die schwerste Form der Gestose, zu der es bei einer entsprechenden ärztlichen Überwachung aber nur noch selten kommt. Bei diesem Verlauf kann das Leben von Mutter und Kind gefährdet sein.

 

Früherkennung, Vorbeugung und Behandlung

Eine Früherkennung kann es im Grunde nur bei einer konsequenten und gründlichen Schwangerschaftsvorsorge geben (Kontrolle von Blutdruck, Urin sowie die ärztliche Beurteilung von Ödemen).

 

Für Frauen, die bereits vor der Schwangerschaft einen Bluthochdruck bei sich feststellten, für Diabetikerinnen und nierenkranke Frauen, Erstgebärende und werdende Mütter von Mehrlingen trifft dies in besonderem Masse zu.

 

Zur Vorbeugung kann eine ausgewogene Ernährung aus eiweissreicher, kalorienreicher und keineswegs salzarmer Kost das Auftreten einer Gestose in vielen Fällen verhindern.

 

Ausschlaggebend für den Erfolg der ärztlichen Behandlung ist eine weitestgehende Schonung der werdenden Mutter, evtl. auch konsequente Bettruhe und Beendigung der beruflichen Arbeit.

 

Jeglicher Stress sollte jetzt vermieden werden.

 

Keinesfalls aber sollte man sich zu den längst überholten und gefährlichen "Obst-und-Reis-Tagen" überreden lassen.

 

Ebenso gefährlich ist eine bewusst flüssigkeitsarme oder auch salzarme Ernährung. Auch Mittel zur Entwässerung, inklusive pflanzliche Mittel wie entwässernde Kräutertees, bewirken in aller Regel eine Verschlechterung des Krankheitsbildes: Mit der Entwässerung "dickt" das Blut zunehmend ein und kann noch schlechter fliessen. Noch höherer Blutdruck ist oftmals die Folge.

 

 
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